Bericht: Workshop on the creation of an international Data for History consortium


Vom 23. bis 24. November 2017 fand an der École normale supérieure in Lyon ein Workshop zur Gründung des internationalen Konsortiums Data for History statt, der vom Pôle histoire numérique des Laboratoire de recherche historique Rhône-Alpes organisiert wurde. Am Workshop nahmen rund 40 Expertinnen und Experten aus den Niederlanden, Frankreich, Griechenland, Italien, Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz teil.

Nach der herzlichen Begrüssung durch den Gastgeber Bernard Hours (Université Jean-Moulin Lyon 3, Direktor des Laboratoire de recherche historique Rhône-Alpes) führte Georg Bruseker (FORTH, Center for Cultural Heritage – Institute of Computer Science, Heraklion) in das Thema des Workshops ein: Die Special Interest Group (SIG), die das CIDOC-CRM trägt, unterstützt offiziell Data for History, die flexible Erweiterung (extension) des CIDOC-CRM für historische Daten. Solche Erweiterungen für spezifische Wissensdomänen gibt es bereits in anderen Bereichen; z. B. FRBRoo ist eine Erweiterung der Bibliotheken, welche die standardisierte Norm für bibliographische Daten in CIDOC-CRM integriert.

Francesco Beretta (CNRS/Université Lyon, Laboratoire de recherche historique Rhône-Alpes), der Initiator der Erweiterung, stellte das Projekt zur Modellierung, Kuration und Interoperabilität von historischen Daten vor. Das internationale Konsortium ist offen für alle interessierten Projekte und Institutionen, um eine Ontologie für historische Daten zu entwickeln, die zugleich den Bedürfnissen der einzelnen Forschungsprojekte gerecht wird sowie die Interoperabilität der Daten mit denjenigen von allen anderen Projekten ermöglicht. Ziel des Konsortiums ist es, geschlossene Systeme (Datensilos) zu öffnen sowie Forschungsdaten und Datenmodelle zu teilen.

Mit Hilfe eines Ontologie-Management-Tools, eines Forums sowie von Workshops zu verschiedenen Themen soll kollaborativ eine Extension für CIDOC-CRM erarbeitet werden. Neue Unterklassen zur Ergänzung der Klassen (histC), domänenspezifische Thesauri (histT) und Properties von CRM (histP), die Projekte für die Arbeit mit historischen Daten benötigen, können in Data for History als Vorschlag (proposal) publiziert werden. Dadurch erhält die Community die Möglichkeit, sie zu prüfen und zu validieren. Das Tool erscheint auch für Forschende attraktiv, die keine Ontologiespezialisten sind, aber ihre Daten gut kennen, denn sie können sich an hier publizierten Modellen, z. B. zu Personen, orientieren. Der Prototyp des Ontologie-Management-Tools wurde in Lyon von symogih.org für das Konsortium entwickelt und hilft den Forschenden miteinander zu kommunizieren.

Nach der Einführung folgten zehn Kurzpräsentationen von den an Data for History interessierten Projekten. Bernhard Ruef (Informatiker der Rechtsquellenstiftung des Schweizerischen Juristenvereins und Teilprojektleiter histHub-Norm) stellte «histHub – a hub for historical data in Switzerland» vor. Die folgenden Diskussionen im Anschluss an die Referate und während des gemeinsamen Abendessens in einem typischen Lyoner Bouchon zeigten, dass das Konsortium Data for History ein reales Bedürfnis ist.

Am zweiten Tag wurden die verschiedenen Aufgaben des Konsortiums besprochen und Koordinatoren gefunden, die einen Bereich des Konsortiums bis zum nächsten Treffen voranbringen werden. Dieses entwickelt eine Online-Plattform, die flexible und projektspezifische Anpassungen des CIDOC-CRM für historische Daten ermöglicht.

Es erscheint sinnvoll, dass histHub sich an der entstehenden Erweiterung des CIDOC-CRM für historische Daten aktiv beteiligt und die histHub-Ontologie in diesem Rahmen produziert. Dies wird histHub von Anfang an eine internationale Dimension verleihen und die Dateninteroperabilität und -integration erleichtern.